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Als Fachdozent der Hessischen Uhrmacherschule unterrichte ich im Meisterkurs. Ein Meister muss alle Kenntnisse der Ausbildung vermitteln können und noch tiefere Kenntnisse in vielen Feldern besitzen.
Hier veröffentliche ich einige der unterrichteten Inhalte.
Für Drehen, Fräsen und Bohren
Die Schnittgeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit, mit der sich die wirkende Werkzeugschneide durch das Werkstück bewegt.
Da die Einheit der Schnittgeschwindigkeit durch Konvention in Metern pro Minute angegeben wird, ergänzen wir den Term der Schnittgeschwindigkeit bei drehender Bearbeitung (Drehen, Fräsen, Bohren) im Allgemeinen um einen weiteren Term.
Hierdurch soll das Herauskürzen beim praktischen Rechnen mit dieser Formel vereinfacht werden.
Da sich der angehängte Term vollständig herauskürzen lässt, verändern wir hierdurch die Formel nicht:
Durch die Definition der Schnittgeschwindigkeit, kann man einen idealen Drehzahlbereich für die Zerspanung definieren. Hierdurch weiß der Zerspaner an der Maschine, welche Drehzahl er einstellen sollte, damit die Oberflächengüte maximiert ist, und der Werkzeugverschleiß minimiert.
Durch praktische Versuche wurden Tabellen ermittelt, die die ideale Schnittgeschwindigkeit für verschiedene Werkstückmaterialien bei bestimmten Schneidwerkzeugen angeben.
In der Praxis werden manchmal auch direkt die idealen Drehzahlen angegeben. Man findet zum Beispiel auf vielen Bohrmaschinen eine Drehzahltabelle in Abhängigkeit vom Bohrerdurchmesser, meist mit mehreren Tabellenspalten für unterschiedliche Materialien.
Da Drehzahltabellen zu groß und unübersichtlich werden, wenn man in ihr für jedes Werkzeug (insbesondere beim Fräsen), Material (Tausende Legierungen) und Durchmesser eine Angabe haben möchte, gibt man einfach nur die ideale Schnittgeschwindigkeit eines Werkzeugs in Abhängigkeit vom Material an*. Der Zerspaner kann sich dann seine ideale Drehzahl selbst ausrechnen:
*Hierbei spielen auch weitere Bearbeitungsparameter wie Vorschub oder Schnitttiefe eine große Rolle. Beim Bohren gilt die ideale Schnittgeschwindigkeit aus der Tabelle also nicht, wenn wir mit aller Kraft am Hebel ziehen oder nur mit minimaler Zustellung arbeiten.
Auch wenn wir beim Drehen mit sehr großen Schnitttiefen oder sehr hohen Zustellgeschwindigkeiten arbeiten, gilt unsere Schnittgeschwindigkeit aus der Tabelle ggf. nicht mehr und muss bei Bedarf angepasst werden.
Die Schnittgeschwindigkeit ist in der Industrie entscheidend für die Effizienz und Qualität von Zerspanungsprozessen wie Drehen, Fräsen und Bohren. Sie beeinflusst direkt die Werkzeugstandzeit, die Oberflächengüte und die Produktivität. Eine optimal gewählte Schnittgeschwindigkeit minimiert den Werkzeugverschleiß, verhindert übermäßige Wärmeentwicklung und gewährleistet eine präzise Bearbeitung. Zudem wirkt sie sich auf die Kosten und die Dauer der Bearbeitung aus, da eine zu hohe oder zu niedrige Schnittgeschwindigkeit die Werkzeugleistung und die Endqualität negativ beeinflussen kann.
In der Serienfertigung spielt die Beachtung der richtigen Schnittgeschwindigkeit eine größere Rolle als in der Einzelfertigung. Während in der Serienfertigung die Wahl der richtigen Schnittgeschwindigkeit einen großen Unterschied bei den Kosten spielt, da sie direkt Bearbeitungsdauer, Werkzeugverbrauch und Oberflächengüte beeinflusst, haben wir in der Einzelfertigung einen größeren Spielraum: Solange wir eine gute Oberflächengüte erzielen und das Werkzeug nicht bricht, müssen wir hier nicht jeden Schnitt exakt berechnen, sondern greifen als Uhrmacher regelmäßig auf Erfahrungswerte zurück.
Es gibt jede Menge Quellen um Anhaltspunkte für Schnittgeschwindigkeiten zu finden, zum Beispiel:
Auch wenn man die Schnittgeschwindigkeit nicht exakt einhält, kann man einige Faustregeln aus den Empfehlungen ableiten.
Bei bestimmten Situationen können die Schnittgeschwindigkeiten stark abweichen, zum Beispiel beim Schlichten mit geringer Schnitttiefe. Beim Feinschlichten können die angegebenen Werte teils verdoppelt werden. Hier ist je nach Problematik der gesunde Menschenverstand gefragt, im Endeffekt zählt das Ergebnis!
Aufgrund Einzelfertigung, unserer häufig kleinen Werkstücke, empfindlichen Maschinen (Vibration), Trockenbearbeitung und meist HSS-Werkzeugen sollten wir uns als Uhrmacher eher unterhalb allgemeiner Empfehlungen bei den Schnittgeschwindigkeiten halten oder dort einsteigen. Erst bei Schwierigkeiten erhöhen wir die Schnittgeschwindigkeit (üblicherweise durch Erhöhung der Drehzahl)
Ausnahmen sind hier sehr kleine Bohrungen, sehr geringe Schnitttiefen oder sehr kleine Werkstücke, bei denen wir im Rahmen des gesunden Menschenverstands die Drehzahlkapazität unserer Maschinen voll ausnutzen.
Bei Bohrungen unter 0,3mm oder dem Drehen von Zapfen von 0,1mm bis 0,3mm errechnen wir meist Drehzahlen weit oberhalb der maximal möglichen Drehzahlen unserer Maschinen. Hier sollten dann die Parameter Vorschub und Schnitttiefe reduziert werden. Einige Beispiele finden sich weiter unten bei „Berechnungen und Beispiele“.
Auch beim Feilen, Hobeln oder Sägen kann die Schnittgeschwindigkeit angegeben werden, hierbei wird in der Formel der Wert π*d ersetzt durch 2*L wobei L=Werkstücklänge.
Aufgabe: Welche Schnittgeschwindigkeiten ergeben sich aus folgenden Beispielen:
Bohren von 1mm, 3mm und 8mm Bohrung in 2mm Messingblech
Bohren von 1mm, 3mm und 8mm Bohrung in 2mm Stahlblech
Drehen einer Unruhwelle mit HSS aus blauhartem Stahl
Drehen einer Aufzugwelle aus Silberstahl
Drehen eines Pfeilers von 2mm aus Messing für eine Taschenuhr
Drehen eines Federhauses aus Messing von 50mm
Drehen einer Welle aus Sandvik AP20 von 3mm und 6mm
Zapfeneinbohren 0,2mm Vergleich gehärtet und angelassen
Feilen eines Werkstücks aus Messing von 50mm Länge
Hallo,
Willkommen in der Welt der Uhrmacherei – dem Ort, an dem Tradition auf Moderne trifft. Ein Beruf, der zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde. Hier können Sie einige tiefe Einblicke in diesen faszinierenden Beruf gewinnen.
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